Die Top 10 der wichtigsten deutschen Erfindungen

Deutschland – das Land der Dichter und der Denker. Ein bekannter Satz aus dem frühen 19. Jahrhundert, aber beruht er auch auf Tatsachen? Tatsächlich stammen viele Erfindungen aus Deutschland. Zu den wichtigsten deutschen Erfindungen gehören auch viele, von denen das nicht unbedingt bekannt war. So wurde das moderne Kondom ( aus Gummi, ohne Naht) nicht etwa von einem Franzosen erfunden, sondern von einem Erfinder aus Berlin. Der heute gebräuchliche Teebeutel mit dem Zweikammerbeutel ist keine Erfindung aus England, sondern wurde ebenfalls in Deutschland entwickelt.

Aber was waren die wichtigsten deutschen Erfindungen und welche grossen Erfindungen aus Deutschland verändern bis heute die Welt?

Auch wenn es schwer fällt die vielen deutschen Erfindungen aus ganz unterschiedlichen Bereichen in eine Liste zu pressen: Topmania präsentiert die Top 10 der bedeutendsten deutschen Erfindungen

 

10. MP3

die grössten deutschen erfindung

Spektralanalyse von yesterday.mp3 – Foto: Havelbaude / Wikipedia

die Erfinder: Hans-Georg Musmann und Karlheinz Brandenburg vom Fraunhofer-Institut in Erlangen. Das MP3-Format wurde ab 1994 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

was bewirkt die Erfindung? Mit der MP3 können Musikdateien digital und komprimiert auf sehr kleinen Platz gespeichert werden. Der Qualitätsverlust durch die Kompression ist dabei sehr gering.

die Zukunft der MP3: eine Zeitlang war die MP3 das übliche Format, um Musik auf digitalen Geräten wie dem MP3-Player zu speichern. Mit dem Aufkommen von Streaming durch bessere Internetverbindungen verliert die MP3 zunehmend an Bedeutung. Allerdings löste die MP3 einen Kulturwandel aus: Da sie durch ihre geringe Größe leicht auch über das Netz kostenfrei zu kopieren war, veränderte sie die Musikindustrie und das Verhalten der Menschen für immer. Aus diesen Gründen sichert sich die MP3 einen Platz in der Top-Liste der wichtigsten deutschen Erfindungen.

Vorgängertechnologien: Auch die „Vorgänger“ der MP3, das Grammophon und das Tonband waren wichtige Erfindungen aus Deutschland.

 

9. der erste moderne Teebeutel

eine Reihe von Teebeuteln

eine deutsche Erfindung: Der Doppelkammerteebeutel – Foto: begemot_dn

der Erfinder: Adolf Rambold erfand 1949 in Berlin den heute noch verwendeten Doppelkammerteebeutel sowie eine Produktionsmaschine, um diese Teebeutel im industriellen Maßstab zu produzieren.

welches Problem löst die Erfindung? Davor wurden die Teebeutel mit Leim verklebt, dieser beeinflusst den Geschmack des Tees. Auch färbten die zuvor verwendeten „Teebomben“ zwar das Wasser, aber sie gaben nur wenig Aroma. Der neuartige Teebeutel mit zwei Kammern hingegen, wird auf einer grösseren Fläche vom Wasser umspült und gibt so mehr Aromastoffe ab. Rambold verwendete bei seiner Erfindung ausserdem ein neues Material, dass den Geschmack des Tees nicht mehr beeinflusste.

die Zukunft der Erfindung: Die jährliche weltweite Produktion von Teebeuteln wird auf eine dreistellige Milliardensumme geschätzt und es ist kein Ende abzusehen.

 

8. die Chipkarte

der Chip einer Chipkarte

eine deutsche Erfindung: Chipkarte – Foto: kuhnmi

der Erfinder: der deutsche Erfinder  Jürgen Dethloff reichte im Jahr 1969 das erste Patent für eine Chipkarte ein

was bewirkt die Erfindung? In der Chipkarte können Daten gespeichert werden wie bei der Krankenkassenkarte.  Oder es ist gar ein kleiner Mikroprozessor mit Speicher und Betriebssystem  eingeklebt. Anwendungsbeispiel: Mobilfunkkarten (SIM-Karten).

die Zukunft der Erfindung: die Chipkarte, auch Smartcard genannt, ist sehr flexibel einsetzbar und hat daher viele Anwendungsgebiete. Beispiele sind SIM-Karten, Bankkarten, Krankenkassenkarten, Zugangskarten für Unternehmen und andere Einrichtungen, Karten für Pay-TV etc. Die Bedeutung der Chipkarte wird in Zukunft noch zunehmen.

Mit dieser Vielseitigkeit und der guten Zukunftsprognosen hat es die Chipkarte auf den 8. Platz der wichtigsten deutschen Erfindungen geschafft.

 

7. Aspirin

Kristalle chemische Formel Erfindung

Kristalle des Aspirin-Wirkstoffes – Foto: Steve Mike Neef / Wikipedia

Erfindung: Mit dem Medikament Aspirin gelang es dem Chemiker Dr. Felix Hoffmann im Jahre 1897 den Wirkstoff Acetylsalicylsäure in chemisch reiner und haltbarer Form zu synthetisieren. Erstmals stand der Menschheit ein sehr wirksames, schmerzlinderndes, entzündungshemmendes und fiebersenkendes Medikament mit nur geringen Nebenwirkungen zu Verfügung.

Welches Problem löst die Erfindung? Kopfweh

Verbreitung: Aspirin ist bis heute eines der am meist verwendeten Medikamente, bis zu 120 Milliarden Tabletten pro Jahr werden konsumiert. Es steht auf der WHO-Liste der absolut unentbehrlichen Medikamente. Damit ist das in Deutschland entwickelte Medikamente auf dem 7. Platz der wichtigsten deutschen Erfindungen gelandet.

 

6. der erste Ohrenstöpsel

die wichtigsten deutschen erfindungen

altmodische Ohropaxverpackung

der Erfinder: der Berliner Apotheker Max Newger erfand im Jahr 1907 mit Ohropax den ersten praxistauglichen Ohrenstöpsel

Welches Problem löst die Erfindung? Schlafen trotz abartigen Lärm, Ohrenschutz bei hoher Lärmbelastung

das Neuartige der Erfindung: ein Vorläufer des Ohropax war Antiphon, ebenfalls eine deutsche Erfindung. Antiphon war eine Kugel aus Metall oder Hartgummi, die ins Ohr gestopft wurde und durch einen Bügel am Platz gehalten wurde. Allerdings verursachte Antiphon starke Druckgefühle und fiel oft heraus.  Für Ohropax entwickelte Newger in jahrelangen Experimenten ein Material, das geschmeidig war, hautverträglich war, keine Rückstände hinterlässt und dennoch Lärm und Geräusche gut dämmt. Weitere Infos

Die Entwicklung eines funktionierenden Ohrenstöpsel kann für die physische und psychische Gesundheit des Menschen nicht hoch genug eingeschätzt werden. Daher hat es der Ohrenstöpsel auf den 6. Platz der grössten Erfindungen aus Deutschland gebracht.

 

5. erste Rakete im Weltall

grössten deutschen ErfindungenA4

Schemazeichnung einer A4, gefertigt von der U.S. Army

die Erfindung: das Aggregat 4 wurde ab 1939 in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde entwickelt

der Nutzen der Erfindung: Mit der A4 konnte erstmals Nutzlast (in diesem Fall eine Tonne Sprengstoff) mithilfe einer Rakete an ein Ziel gebracht werden

heutige Verwendung der Erfindung: Heute verwendete Raketen, egal ob sie als Waffe oder zum Transport von Satelliten oder Menschen verwendet werden, gehen auf das Aggregat 4 zurück. Ohne mit den von Raketen ins All gebrachten Satelliten wären beispielsweise keine Handy-Gespräche möglich. Die ersten Schritte des Menschen in das Weltall wie die Mondlandung und die Raumstation ISS wären ohne Raketen auch undenkbar.

Aus diesen Gründen hat sich die Rakete den 5. Platz der grössten Erfindungen aus Deutschland gesichert.

 

4. das erste Düsenflugzeug

Jet wichtigsten deutschen Erfindungen

Me 262 beim Start – Foto: Noop1958 / Wikipedia

die Erfindung:  Die Messerschmitt Me 262 war der ersten Düsenjäger und das erste in Serie produzierte und praktisch nutzbare Strahlflugzeug (deutscher Begriff für Jet).

der Vorteil der Erfindung: Jets erreichen Geschwindigkeiten, die ein Propellerflugzeug physikalisch unmöglich erreichen kann. Dadurch hat der ME 262 einen grossen Vorteil gegenüber den Propellermaschinen der Alliierten.

die Erfinder: 

  • 1936 meldete der deutsche Physiker Hans Joachim Pabst von Ohain das erste Düsentriebswerk zum Patent an.
  • Am 27. August 1939 gelang mit der deutschen Heinkel He 178 der erste Flug weltweit mit einem Düsentriebwerk.
  • Der Me 262 war der erste Düsenjäger  und der erste Jet weltweit, der in Serie produziert wurde. Bis 1945 wurden knapp 1500 Stück gebaut.

heutige Verbreitung: Reisen über längere Strecken finden heute hauptsächlich mit einem Passagier-Jet statt. Weit verbreitete Modelle sind der Boeing 737 und der Airbus 320. Jede Sekunde des Jahres startet oder landet ein Flugzeug dieser beiden Typen. Auch im Frachtverkehr und besonders beim Militär spielen Düsenflugzeuge eine herausragende Rolle.

Aufgrund der hohen Bedeutung für unseren heutigen Lebensstil hat es das Strahlflugzeug auf den 4. Platz der grössten deutschen Erfindungen geschafft.

 

3. das erste Auto mit Verbrennungsmotor

concept car Mercedes deutsche Erfindung

Kraftfahrzeug von Mercedes-Benz – Foto: Ben

der Erfinder: Carl Benz aus Mannheim reichte am am 29. Januar 1886 das Patent für ein Dreiradfahrzeuges mit Verbrennungsmotor ein und ist damit der Erfinder des ersten praxistauglichen Kraftwagens der Welt.

Welches Problem löst die Erfindung? Personen oder Last werden zügig mit einem Gefährt bewegt, dass nicht durch Zugtiere sondern durch einen Verbrennungsmotor angetrieben wird.

die Verbreitung: Es gibt über 60 Millionen Kfz in Deutschland, knapp 1,5 Milliarden weltweit. Die Fahrleistung sämtlicher PKW in Deutschland beträgt knapp 700 Milliarden Kilometer pro Jahr. Auch wenn das Auto in grösseren Städten etwas an Bedeutung verliert, wird es in Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle im täglichen Leben, wenn auch vermutlich  in der Form selbstfahrendes Auto mit E-Motor.

Daher kommt der Kfz auf den dritten Platz der grössten deutschen Erfindungen.

 

2. der erste Elektromotor

Teil eines Motors

Elektromotor

Der Erfinder: der deutsche Physiker Moritz Hermann von Jacob entwickelte 1834 in Königsberg den ersten einsatzfähigen Elektromotor.

Welches Problem löst die Erfindung? Der E-Motor erzeugt mechanische Bewegungsenergie, indem er elektrischen Strom umwandelt.

Die Verbreitung: Gigantisch: In nahe zu jedem Gerät und in jeder Maschine stecken ein oder mehrere E-Motoren. Die Palette reicht von winzigen E-Motoren, wie sie in Handys, PCs oder elektrischen Zahnbürsten zu finden sind, bis zu sehr großen in Werkshallen oder in Eisenbahnen. Unsere Zivilisation wäre ohne den elektrischen Motor nicht denkbar. In Zukunft wird seine Bedeutung noch zunehmen, da einer der „letzten Bastionen“ des Verbrennungsmotors ,das Auto, fällt.

Aus diesen Gründen hat es der E-Motor auf einen ungefährdeten 2. Platz in der Top 10 der wichtigsten deutschen Erfindungen geschafft.

 

1. Buchdruck

die grössten deutschen Erfindungen

Gutenberg-Bibel, gedruckt zwischen 1452 und 1454

Der Erfinder: Johannes Gutenberg aus Mainz erfand um das Jahr 1440 den Buchdruck und die Druckerpresse für Zeitungen.

der Vorteil: Bücher mussten nicht mehr wie zuvor in jahrelanger Arbeit einzeln abgeschrieben werden, sondern sie konnten maschinell in grösseren Auflagen gedruckt werden. Damit kamen Bücher und ihre Inhalte in die normalen Haushalten, Schulen, Universitäten etc und lagen nicht nur als unersetzliche Einzelexemplare in Kloster-Bibliotheken.

die Zukunft des Buches: Über 500 Jahre lang war es üblich, Neuigkeiten in Form von gedruckten Zeitungen zu verbreiten und Wissen und Erzählungen in Form von gedruckten Büchern. Die Zahl der Bücher ist nicht zu beziffern. In nicht ferner Zukunft allerdings wird es gedruckte Zeitungen und Bücher nur noch als Liebhaber- und Sammlerstücke geben. Der Grund: Zeitungen finden hauptsächlich als Online-Präsenz im Internet statt und das E-Book ersetzt nach und nach das gedruckte Buch.

Warum ist der Buchdruck dennoch die wichtigste deutsche Erfindung? Ein Zitat des Schriftstellers Mark Twain fasst es gut zusammen: „Was die Welt heute ist, verdankt sie Gutenberg. Alles kann auf diese Quelle zurückgeführt werden…das Schlechte, das seine kolossale Erfindung hervorgebracht hat, wird tausendfach von dem Guten überschattet, mit dem die Menschheit [durch ihn] begünstigt wurde.“

Auch international wird die Erfindung des Johannes Gutenberg hoch eingeschätzt. In vielen Top-Listen wird die „Printing Press“ als die wichtigste Erfindung des Jahrtausends eingeschätzt. Auch bei den „Menschen des Jahrtausends“ hat es Gutenberg auf den ersten Platz geschafft.

 

 

Und wo ist der Computer in den wichtigsten deutschen Erfindungen?

Schränke voller Relais

Z4 – der erste kommerziell genutzte Computer der Welt

Der Computer nimmt ja in unseren heutigen Leben eine enorm wichtige Rolle ein und müsste eigentlich in den vorderen Plätzen der Top 10 der bedeutendsten Erfindungen aus Deutschland zu finden sein. Und war da nicht ein gewisser Konrad Zuse der den ersten Computer erfunden hat?

Die Antwort: Konrad Zuse hat zwar tatsächlich im Jahr 1941 mit dem Z3 den ersten funktionsfähigen Computer der Welt erfunden. Der Z3 lief vollautomatisch und man konnte ihn mit Lochstreifen füttern und so ein Programm abspielen. Der Nachfolger Z4 gilt sogar der erste kommerzielle Computer weltweit und wurde in der Technischen Hochschule Zürich eingesetzt.

Allerdings: Der Z3 und der Z4 waren elektromagnetische Computer und führten ihre Rechnungen mit tausenden klappernden Relais aus, während die heutigen Rechner auf einen anderen logischen Prinzip beruhen. Als der Vorläufer der Computer, die wir heute verwenden, kann eher ENIAC angesehen werden. ENIAC wurde in den USA entwickelt, war der erste rein elektronische Rechner und verfügte über einen Speicher, der eine 10-stellige Zahl speicher konnte.

Aus diesen Gründen ist der Z3 nicht in der Liste der wichtigsten deutschen Erfindungen zu sehen, da er gewissermaßen in eine Sackgasse führte und die heutige Technik nicht beeinflussen konnte.

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