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Die grössten Atomkraftwerke der Welt – Top 10 Liste

Nachdem im August 1956 Calder Hall in England als erstes kommerziell betriebenes Atomkraftwerk mit einer bescheidenen Leistung von 50 MW ans Netz ging, galt die zivile Nutzung der Kern-Energie als Wundermittel zur Produktion von billigen und umweltfreundlichem Strom in rauen Mengen.

Dieses Bild hat sich inzwischen etwas gewandelt: Es gibt Länder wie Deutschland die sich zu radikalen Abkehr entschieden haben, andere Länder bauen zwar keine neuen AKWs, die bestehenden werden aber noch über Jahrzehnte Strom erzeugen. Wiederum andere Staaten sehen in der Kernenergie eine strahlende Zukunft und bauen mit Milliardenaufwand weitere Reaktor-Blöcke.

Was auch immer die Zukunft bringen wird, im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden überall in der Welt riesige Kernkraftwerke erbaut. Die Top 10 der grössten AKWs der Welt mit der höchsten Leistung findet man hier:

    10. Gravelines (Frankreich)

    Name Centrale nucléaire de Gravelines
    StandortAm Ärmelkanal, im Nordwesten
    Typ Druckwasserreaktor
    Blöcke6
    Installierte Leistung (brutto)6 * 951 MW = 5706 MW
    BetriebsaufnahmeMärz 1980

    Baugeschichte

    Die französische Regierung wählte den Standort nahe Dünkirchen ganz im Nordwesten, weil er nahe an Deutschland und England liegt. Das ist günstig für den Stromexport. Zudem befindet sich dort viel energieintensive Industrie. Schliesslich verwendet das Kernkraftwerk das Wasser der Nordsee zur Kühlung.

    Die Bauarbeiten für den 1. Block begannen Anfang 1975. Im Herbst 1985 ging dann der 6. Block online.

    Besonderheiten

    • Gravelines ist das grösste Atomkraftwerk der EU
    • es war das erste KKW der Welt, welches insgesamt mehr als 1 TWh ins Netz speiste (im September 2010 wurde dieser Meilenstein erreicht)

    9. Grösstes AKW Europa: Saporischschja (Ukraine)

    NameЗапорізька атомна електростанція (ЗАЕС)
    StandortSüd-Ukraine, am Kachowkaer Stausee
    TypDruckwasser
    Blöcke6
    Installierte Leistung (brutto)6 * 1000 MW = 6000 MW
    BetriebsaufnahmeDezember 1984

    Baugeschichte

    Der Entschluss zum Bau datiert zu Zeiten der Sowjetunion aus dem Jahr 1977. Der Baubeginn war im Jahr 1981, die ersten 4. Blöcke gingen zwischen 1984 und 1985 in Betrieb. 1988 erfolgte der Beschluss das Kernkraftwerk auf 6 Blöcke zu erweitern. Im Sommer 1985 schon ging der 5. Block in Betrieb. Die Fertigstellung und die Betriebsaufnahme des 6. Blocks verzögerte sich allerdings aufgrund des Zusammenbruchs der Sowjetunion um rund 10 Jahre. Als er schliesslich im Jahr 1996 in Betrieb ging, war es die erste Betriebsaufnahme eines Reaktors der postsowjetischen Ära und zugleich war Saporischschja damit das leistungsstärkste Atomkraftwerk Europas.

    In sämtlichen 6 Blöcken arbeitet ein Reaktor vom Typ VVER-1000, der in den 1960er Jahren entwickelt wurde.

    Besonderheiten

    Das AKW wurde im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ab dem März 2022 von russischen Truppen besetzt, aber weiterhin von der Ukraine betrieben. Nach Artilleriebeschuss, der zu Schäden und Bränden auf dem Kraftwerksgelände führte, wurde Saporischschja im September 2022 vollständig runtergefahren.

    8. Hanbit (Südkorea)

    NameKernkraftwerk Hanbit
    StandortNordwesten am Gelben Meer
    TypDruckwasser
    Blöcke 6
    Installierte Leistung (brutto)6137 MW
    BetriebsaufnahmeAugust 1986

    Baugeschichte

    Der Baubeginn für Hanbit war im Winter 1981. Die ersten beiden Blöcke sind noch von einem amerikanischen Fabrikat, die neueren 4 sind südkoreanische Eigenentwicklungen

    Besonderheiten

    • Der 3. und 4 Reaktorblock vom Typ OPR-1000 waren die ersten von Südkorea selbst erbauten Reaktorblöcke überhaupt
    • Bei einer Generaluntersuchung nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima stellten die Behörden fest, dass in Hanbit tausende Teile verbaut waren, für welche die Hersteller die vorgeschriebenen Sicherheitszertifikate gefälscht hatten

    7. Hanul

    NameKernkraftwerk Hanul
    StandortÖstliche Küste
    TypDruckwasser
    Blöcke 6
    Installierte Leistung (brutto)6222 MW
    BetriebsaufnahmeSeptember 1988

    Baugeschichte

    Hanul, mit dem Baubeginn im Jahre 1983 ist das neueste und wahrscheinlich letzte der 4 Kernkraftwerke in Südkorea. Zugleich ist es mit der installierten Leistung von 6222 MW das grösste Atomkraftwerk des Landes. Die ersten beiden Blöcke wurde von einem französischen Hersteller erbaut. Der Hintergrund: Zu dieser Zeit, Anfang der 80er, konnte Südkorea noch keine eigenen Reaktoren bauen und es war die Strategie des Landes nicht sämtliche Blöcke von den USA, wie es bei Hanbit der Fall ist, bauen zu lassen.

    Laufender und geplanter Ausbau

    Seit 2012 bzw 2013 werden die Blöcke Shin-Hanul-1 und 2 gebaut mit einem Kostenaufwand von über 6 Milliarden $. Diese neuen Reaktoren sind mit einer Bruttoleistung von jeweils 1400 MW deutlich leistungsstärker als die 6 älteren Reaktor-Blöcke. Bei Shin-Hanul-1 erfolgte bereits die Netzsynchronisation, der Block ist aber noch nicht im operativen Betrieb.

    Weiter in der Zukunft sind noch ein 9. und 10. Block geplant. Als Baubeginn ist das Jahr 2025 angesetzt. Wenn auch dieser Bau abgeschlossen ist und die Blöcke online sind, handelt es sich bei Hanul um das grösste und leistungsstärkstes AKW der Welt

    6.Yangjiang (China)

    NameKernkraftwerk Yangjiang
    StandortSüdosten, am Chinesischen Meer
    TypDruckwasser
    Blöcke6
    Installierte Leistung (brutto)6×1086 MW = 6516 MW
    BetriebsaufnahmeMärz 2014

    Baugeschichte

    Im Jahr 1998 wurde der Standort für das Kraftwerk nahe der Küstenstadt Yangjiang festgelegt. 10 Jahre später begannen die Bauarbeiten im Rahmen des 11. chinesischen 5-Jahresplanes. Im Jahre 2014 gingen dann die ersten beiden Blöcke in Betrieb. Das Kernkraftwerk hat bis zum heutigen Tage über 10 Milliarden $ alleine an Baukosten verschlungen.

    Die Reaktorkerne vom Typ CPR-1000 und ACPR-1000 sind von den Chinesen modifizierte Versionen der französischen 900-MWe-Klasse. Frankreich hat diese bereits in den 70ern entwickelten Reaktoren in eine Reihe von Ländern exportiert

    Besonderheit

    Im März 2020 wurden sämtliche Blöcke heruntergefahren, da die Einläufe für das Kühlwasser mit Shrimps verstopft waren

    5. Tianwan (China)

    NameKernkraftwerk Tianwan
    StandortNordosten, am Gelben Meer
    TypDruckwasser
    Blöcke 6
    Installierte Leistung (brutto)6532 MW
    BetriebsaufnahmeMai 2006

    Baugeschichte

    Es handelt sich um ein chinesisch-russisches Gemeinschaftsprojekt. Die Planungen begannen 1992, der Bau dann im Jahr 1999.

    Die ersten 4 Blöcke sind vom russischen Typ VVER-1000. Der 5. und 6. Reaktor sind vom Typ ACPR-1000, eine chinesische Modifikation der französischen 900-MWe-Klasse

    Ausbau im Gange

    Im Jahre 2021 hat der Bau von weiteren 2 Blöcken begonnen. Die russischen VVER-1200 Reaktoren sollen eine Bruttoleistung von jeweils 1200 MW bringen und 2025/26 online gehen. Wenn der Ausbau abgeschlossen ist, steigt Tianwan zum grössten chinesischen AKW auf

    Störfall

    Im August 2008 brach nach einer Explosion eines Transformators in Block 1 ein Feuer aus. Der Reaktorblock wurde heruntergefahren

    4. Fuqing (China)

    NameKernkraftwerk Fuqing
    StandortXinghua Bay im Südosten
    TypDruckwasser
    Blöcke6
    installierte Leistung (Brutto)6650 MW
    BetriebsaufnahmeNovember 2014

    Baugeschichte

    Die Bauarbeiten für das Kernkraftwerk an der Xinghua Bay im Südosten Chinas begannen im Sommer 2008. Das neue Atomkraftwerk sollte den Kohlendioxid-Austoss deutlich verringern, den bis dahin wurde ein grosser Teil des Stroms für die Industrieregion von Kohlekraftwerken erzeugt.

    Drei chinesische Kraftwerksbetreiber, darunter die China National Nuclear Corporation als grösster Anteilseigner zeichnen für den Bau und Betrieb des Gross-Kraftwerkes verantwortlich.

    Die ersten 4 Blöcke arbeiten mit einem Reaktor vom Typ CPR-1000. Der 5. und 6. Block hingegen, die im Jahr 2021 und 2022 online gingen, haben einen Reaktorkern der weiterentwickelten Baureihe Hualong One (HPR-1000)

    Besonderheit

    Erstmalig ging hier ein Reaktor vom weiterentwickelten Typ Hualong One in den operativen Betrieb

    3. Hongyanhe (China)

    Name红沿河核电站
    StandortNordosten, an der Küste des Gelben Meeres
    TypDruckwasser
    Blöcke 6
    installierte Leistung (Brutto)6 x 1119 MW = 6.714 MW
    BetriebsaufnahmeJuli 2013

    Baugeschichte

    Bereits im Rahmen des 7. Fünfjahresplanes (1984) wurde über ein Kernkraftwerk in der nordöstlichen Provinz Liaoning nachgedacht. Zuerst sollte es mit einem französischen Partner, dann mit einem sowjetischen gebaut werden, da China zu dieser Zeit noch nicht in der Lage war den Bau eines Kernkraftwerkes eigenhändig zu stemmen.

    Doch erst mit dem 11. Fünfjahresplan wurde es konkret: Die Bauarbeiten für den 1. Block begannen im Sommer 2007 als rein chinesischen Projekt. Allerdings wurde für die Blöcke 1-4 ein Reaktor vom Typ CPR-1000 verwendet, für den die französische Gruppe Areva SA Patenrechte hält. Der 5. und 6. Block (2. Bauabschnitt ab dem Jahr 2015) hingegen sind mit der chinesischen „Eigenentwicklung“ ACPR-1000 ausgestattet.

    Besonderheiten

    Hongyanhe ist derzeit noch das grösste chinesische AKW. Da aber kein Ausbau geplant ist, wird es in den nächsten Jahren von Tianwan überholt

    Nahe dem Kernkraftwerk verlaufen die Donggang- und Jinzhou-Bruchlinien. Nach Ansicht von Experten stellen sie allerdings keine Gefahr da, letztmalig kam es vor 50.000 Jahren zu einem grossen Erdbeben.

    2. Grösstes AKW in Betrieb: Bruce (Kanada)

    NameBruce Nuclear Generating Station
    StandortOstufer Lake Huron in Ontario
    TypDruckschwerwasserreaktor
    Blöcke8
    installierte Leistung (Brutto)6738 MW
    BetriebsaufnahmeSeptember 1977

    Baugeschichte

    Die Bauarbeiten zu Bruce A (die ersten 4 Blöcke) begannen bereits im Jahr 1969. Im Frühjahr 1987 ging auch der 8 und letzte Block von Bruce B online. Die Anlage wird vom Wasser des Lake Huron gekühlt, an dessen Ufer sie errichtet wurde. Der Bau mit dem Kosten von etwa 8 Milliarden $ wurde von dem Staatskonzern Crown corporation gestemmt. Im Jahr hat der private Betreiber Bruce Power dann das grösste AKW Kanadas übernommen. Mit über 4000 Leuten ist das AKW der grösste Arbeitgeber der Region

    Die Reaktoren sind kanadische Eigenentwicklungen vom Typ CANDU-Reaktor. Diese Baureihe ist verhältnismäßig unkompliziert zu bauen und zu betreiben und wird deshalb gerne von Entwicklungs- und Schwellenländern verwendet. Entgegen den Absprachen realisierte Indien mit CANDU-Reaktoren sein Kernwaffen-Programm

    Besonderheiten und Wissenswertes

    • Zur Zeit ist Bruce das AKW mit den meisten aktiven Blöcken (das südkoreanische Kori hat eine Zeitlang auch 8 Blöcke in Betrieb, einer wurde aber 2017 abgeschaltet)
    • 56 Kilometer Strasse verlaufen auf dem weiträumig abgesperrten Betriebsgelände von Bruce und verbinden die 25 Gebäude, zu denen eine eigene Feuerwehr, ein Krankenhaus, eine Wäscherei und ein kleiner Dino-Park zählen

    1. Grösstes AKW: Kashiwazaki-Kariwa (Japan)

    NameKashiwazaki Kariwa genshiryoku hatsudensho
    StandortPräfektur Niigata an der Küste
    TypSiedewasserreaktor
    Blöcke7
    installierte Leistung (Brutto)8212 MW
    BetriebsaufnahmeSeptember 1985

    Baugeschichte

    Aus dem Jahr 1969 datiert der Entschluss ein KKW nahe der Kleinstadt Kashiwazaki zu bauen. Ende 1978 begannen die Bauarbeiten am 1. Block. Mit der Betriebsaufnahme von Block 8 überholte Kashiwazaki-Kariwa dann Bruce und war das leistungsstärkste AKW der Welt. Die ersten 3 Reaktoren stammen von Toshiba, der 4. und 5. von Hitachi. Der 6. entstammt einer Kooperation von dem amerikanischen Unternehmen General Electrics und Hitachi und der 7. schliesslich einer Kooperation von General Electrics und Hitachi

    Abschaltung des grössten Atomkraftwerkes der Welt

    Nach einem schweren Erdbeben in der Nähe des Kraftwerkes gingen sämtliche 7 Blöcke in die Notabschaltung. Auch ein Feuer konnte recht schnell gelöscht werden. Die Anlage blieb knapp 2 Jahre komplett abgeschaltet, danach wurden einzelne Blöcke für einen kurzen Zeitraum wieder hochgefahren. Doch in Folge der Fukushima-Katastrophe wurden sie wieder heruntergefahren Seit dem Frühjahr 2012 steht das eigentlich stärkste Kernkraftwerk der Welt daher wieder still

    Besonderheiten

    • Japan verfügt über 17 AKW mit insgesamt 54 Reaktorblöcken. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima wurden alle heruntergefahren. Heute sind nur 6 Blöcke wieder in Betrieb. Der Anteil des AKW-Stroms am gesamt erzeugten Stroms sank von 30% auf unter 1%

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