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Die Top 10 der schnellsten Eisenbahnen aller Zeiten – die Rekordzüge von Damals bis Heute

Auf der ersten Eisenbahnstrecke der Welt zwischen den englischen Industrie-Städten Stockton und Darlington, die 1825 eröffnet wurde, dampfte die Locomotion No. 1 mit einer Höchstgeschwindigkeit von stolzen 24 km/h

Das erschien damals vielen als deutlich zu schnell und sie verdammten die neuartige Erfindung der Eisenbahn als Teufelsgefährt. Der Mensch sei nicht geeignet solche hohen Geschwindigkeiten zu ertragen. Der Kopf würde platzen.

Was hätten sie zu der japanischen Magnetschwebebahn Shinkansen L0 gesagt die rund 200 Jahre später mit einer Geschwindigkeit von 603 km/h dahinrauscht?

Dazwischen liegen viele weitere Rekord Züge der verschiedenen, manchmal skurrilen und außergewöhnlichen Kategorien, die im Ranking der schnellsten Züge der Welt zu finden sind:

9. Die schnellste Dampflok aller Zeiten

NameMallard (LNER Class A4)
LandEngland
Rekord201,2 km/h am 3. Juli 1938
Kategorieschnellste Dampflokomotive

Der schnellste Dampfzug jemals war die englische LNER Class A4. Ein Zug mit einer 224 Tonnen schweren Lokomotive dieses Typs + Tender mit der Kohle und Wasser + 6 Sitzwagen + 1 Messwagen erreichte bei einer Rekordfahrt am Juli 1938 die Spitzengeschwindigkeit von 201,2 km/h auf der neuen Schnellbahnstrecke zwischen London und Newcastle upon Tyne.

Damit enttrohnte die LNER Class A4 knapp die deutsche DR-Baureihe 05, die mit 200,4 Km/h rund 2 Jahre zuvor den Rekord als schnellste Dampflok aufgestellt war hatte.

Die Mallard, wie die Rekord-Lok genannt wurde, überstand die Fahrt nicht ohne Schaden: Teile des Motors waren geschmolzen und die Lok musste vor der Weiterfahrt nach London erst repariert werden

Kritisiert wurde auch die Strecke, auf der die Rekordfahrt stattfand, denn diese war teilweise leicht abschüssig.

8. Der Schienenzeppelin

NameSchienenzeppelin
LandDeutschland
Rekord230,2 km/h am 21. Juni 1931
Kategorieschnellster Zug mit einem Benzin-Motor
Besonderheitbis 1954 absoluter Rekord für Züge

Ein ungewöhnlicher Zug, der Eisenbahngeschichte schrieb, war der im Jahr 1930 erbaute Schienenzeppelin. Der Konstrukteur hatte das Prinzip eines Zeppelins auf die Schiene überragen.

Der aerodynamisch geformte Zug wurde mit einem hinten angebrachten Propeller angetrieben. Das sorgte für fabelhafte Geschwindigkeiten, die alle Dampf-Lokomotiven weit übertraf. Auf einer Fahrt zwischen Hamburg und Berlin am 21. Juni 1931 erreichte Kruckenberg (Konstrukteur und Fahrer in Personalunion) eine Geschwindigkeit von 230,2 km/h. Über 20 Jahr lang war das der absolute Geschwindigkeitsrekord für Züge. Erst im Jahr 1954 übertraf der CC 7121 (eine französische E-Lok) diesen Rekord.

Der Schienenzeppelin blieb ein Einzelstück, denn er hatte 2 große Nachteile: Es konnte kein weiterer Waggon angehängt werden, denn der Propeller musste ja immer ganz hinten sein, damit er funktionierte. Zudem erschien der große, scharfkantige und sich rasant drehende Propeller zu gefährlich für streckennahe Menschen und Tiere

Bedrohlicher Propeller

Bis zum heutigen Tage aber hält der Schienenzeppelin noch einen Nischen-Rekord. Er ist der schnellste Zug mit einem Benzin-Motor, der jemals gebaut wurde.

7. Schnellste Diesellolomotive aller Zeiten

Inoffzieller Rekordhalter für Diesellolomotiven
Typ/NameTEP80
LandSowjetunion
Rekord271 km/h am 5. Oktober 1993
Kategorieschnellste Diesellok
Besonderheitinoffizieller Rekord; offizieller Rekord: 232 km/h InterCity 125 (British Rail Class 43)

Als die schnellste Diesellokomotive aller Zeiten gilt die in der Endphase der Sowjetunion konstruierte TEP80. Im Jahre 1993 dann stellte eine Lokomotive dieses Typs auf der Bahnstrecke zwischen Sankt Petersburg und Moskau einen Geschwindigkeitsweltrekord von 271 km auf.

Ganz unumstritten ist dieser (inofizielle) Rekord allerdings nicht, da die Messung nicht gut dokumentiert war.

Als offizieller Rekordhalter für den schnellsten Dieselzug gilt daher der mit 2 Treibwagen bestückte englische InterCity 125 (vom Typ British Rail Class 43), der am 27 September 1985 mit 232 km/h einen neuen Rekord einfuhr. Dieser Zug ist neben dem deutschen ICE TD auch der einzige Zug mit Dieselloks, der bei normalen Fahrten mit Passagieren Reisegeschwindigkeiten von über 200 Km/h erreicht.

Auch der TEP80 der Sowjetunion war für den Personenverkehr gedacht: Die achtachsige Lokomotive mit einer Leistung von 6000 PS war für extra-lange Passagiere-Züge mit 24 Waggons gedacht. Doch die TEP80 ging nie in Serie (vermutlich wegen des Zusammenbruchs der Sowjetunion) und die beiden Prototypen fristen heute ihr Dasein im Eisenbahnmuseum

6. Der Schnellste Zug mit einem Verbrennungsmotor

Typ/NameTGV 001
LandFrankreich
Rekord318 km/h am 8. Dezember 1972
Kategorieschnellster Zug mit Verbrennungsmotor
BesonderheitGasturbinen-Zug

Der Gasturbinenzug (TGV 001) war ein französisches Unikum, mit dem man experimentierte bevor man sich für die elektrische Variante des TGV entschied.

Bei dem Gastturbinen-TGV arbeiten 2 Gasturbinen, die sonst in großen Hubschraubern eingesetzt werden. Ein Generator wandelt das Drehmoment in Strom für die 12 E-Motoren des Zuges

Ein 5-teiliger Zug dieser Bauart (Zwei Triebköpfe, 2 Passagierwagen und 1 Messwagen) erreichte dann auf der sehr ebenen Strecke Bordeaux – Bayonne im Dezember 1972 eine Rekord Geschwindigkeit von 318 km/h. Bis heute ist das die schnellste Geschwindigkeit, die ein Zug mit Verbrennungsmotor jemals erreicht hat.

Der TGV 001 existiert nur noch als Industriedenkmal, aber viele Kenntnisse die man während der umfangreichen Testfahrten gewonnen hatte, flossen in den vollelektrischen TGV ein, der ja in Frankreich bis heute sehr erfolgreich fährt.

5. Schnellster deutscher Zug (Rad-Schiene)

Typ/NameInterCityExperimental
LandDeutschland
Rekord406,9 Km/h am 1. Mai 1988
Kategorieschnellster deutscher Zug (Rad-Schiene)
Besonderheitfür rund 1 Jahr schnellster Rad-Schiene-Zug der Welt

Seit dem Mai 1988 hält der InterCityExperimental (der Vorgänger des ICE) mit einer Geschwindigkeit von 406,9 Km/h den deutschen Rekord für den schnellsten Zug mit Rad-Schiene-System. Über ein Jahr lang war er sogar der schnellste klassische Zug der Welt, bis er wieder von einem französischen TGV abgelöst wurde.

Die Rekordfahrt des InterCityExperimental fand auf einem aufwendig hergerichteten Schnellfahrabschnitt der Strecke zwischen Würzburg und Hannover statt. Unter anderem wurden über 300 Messpunkte installiert. In den Tagen zuvor fanden sogenannte Hochtastfahrten statt, wobei man sich nach und nach der Marke von 400 Km/h näherte.

Während der eigentlich Rekordfahrt waren neben den 3 Zugführern auch rund 80 Politiker, Bahn-Leute und Journalisten an Bord. Tausende begeisterte Zuschauer säumten die Strecke. Ob sich allerdings Heinz Kurz auch im Zug befand ist bis heute umstritten.

4. Der schnellste Aeoretrain

Grafik des Aérotrain I80 HV, der einzige Prototyp dieses Modells wurde 1992 bei einem Brand zerstört
Typ/NameAerotrain I80 HV
LandFrankreich
Rekord430,2 km/h im März 1974
Kategorieschnellster Aerotrain (Luftschwebezug)
Besonderheitschneller als die damaligen deutschen Magnetschwebezüge

Der Aerotrain ist ebenfalls eine spezielle Erfindung aus Frankreich – ein bisschen sowas wie das Gegenstück zum Transrapid. Aber während der Transrapid auf einem Magnetfeld schwebt, schwebt der Aerotrain, wie der Name andeutet, auf Luft.

Während aber das elektromagnetische Feld des Transrapid zugleich Teil des Linearantrieb des Zuges ist, benötigte der Aerotrain einen zusätzlichen Antrieb. Das war in den ersten Versionen des Aerotrain ein Propeller. Bei den schnellstem Prototypen, dem I80 HV, war es eine Düse, wie man sie im Flugzeugbau verwendet.

Ein solcher Düsenzug erreichte dann auf der Teststrecke zwischen Assas und Saran im März 1974 die Rekord-Geschwindigkeit von 430,2 km/h. Dies war lange Zeit auch die höchste Geschwindigkeit für ein Einbahnschienensystem überhaupt (dazu zählen sowohl Magnetschwebebahnen als auch der Aerotrain). Denn die frühen deutschen KOMET und Transrapid-Züge in Deutschland erreichten diese Geschwindigkeit nicht.

Werbevideo für den Aerotrain

Die Ära des Aerotrain währte nur von 1965 bis 1974 und war bis auf einen kurzen Ausflug in die USA auf Frankreich beschränkt. In dieser Zeit wurden 2 Teststrecken erbaut: eine ebenerdig, eine aufgeständert 5 Meter in der Höhe und viele Tausend Kilometer mit diversen Protoptypen zurückgelegt. Dann aber entschloss sich Frankreich das Konzept des Aerotrain zugunsten des TGV aufzugeben.

3. Der schnellste konventionelle Zug (Rad-Schiene) aller Zeiten

während der Rekordfahrt
Typ/Name V150 (speziell präperierter TGV)
LandFrankreich
Rekord574,79 km/h am 3.April 2007
Kategorieschnellster Zug mit Rad-Schiene-Technik

Der Rekord für den schnellsten Rad-Schiene-Zug lag seit 1953 in Frankreich (nur kurz unterbrochen für anderthalb Jahre vom deutschen ICExperimental). Im Jahr 2007 setzte dann der TGV zum vorläufigen Höhepunkt an: Auf der Schnellfahrtstrecke LGV Est européenne erreichte der V150, der aus zwei Triebwagen und drei angetriebene Mittelwagen die Rekord Geschwindigkeit von 574,79 km/h

Bis zum heutige Tage ist das die schnellste Geschwindigkeit, die jemals ein Zug mit Rad-Schiene-Technik erreicht hat.

Wie die Strecke (geschliffene Schienen, höhere Spannung in der Oberleitung) wurde auch der Zug für die Rekordfahrt speziell präpariert: Statt 4 Stromabnehmer gab es nur einen, die Übergange zwischen den Wagen wurden mit Gummi verkleidet, um die Aerodynamik weiter zu verbessern. Die Motoren waren im Vergleich zum Serien-TVG deutlich leistungsfähiger. So erbrachten sie insgesamt eine Leistung von über 26.000 PS statt 12.000 PS

Während der Fahrt waren neben Politikern und Journalisten 60 Techniker an Bord, die umfangreiche Messungen vornahmen.

Die Reisenden berichteten ab 500 Km/h seien starke Vibrationen zu spüren gewesen sein.

Nach der Fahrt wurden die Triebköpfe und die Mittelwagen repariert und zurückgebaut. Die französische Eisenbahn setzte sie dann im regulären Fahrgastbetrieb ein. Das war eine Reaktion auf die Aussagen der Konkurrenzfirma Siemens. Deren Sprecher behauptete, der Zug wäre nach der Rekordfahrt „reif für die Schrottpresse“

2. Die schnellste Magnetschwebebahn

Typ/NameShinkansen Baureihe L0
LandJapan
Rekord603 km/h im April 2005
Kategorieschnellste Magnetschwebebahn
BesonderheitAbsoluter Rekord für Züge

Im Gegensatz zu einem „normalen Zug“ schwebt die Magnetschwebebahn auf einem elektromagnetischen Feld. Es entsteht keine Reibung. Dadurch sinkt der Verschleiß und höherre Geschwindigkeiten werden möglich. Das erste elektromagnetisch schwebende Fahrzeug wurde 1934 im Deutschen Reich erfunden, nach dem Krieg war Deutschland führend in der Entwicklung der Magnetschwebebahn. Bis ins Jahr 2003 hielt daher auch der deutsche Transrapid den Rekord für die schnellste Magnetschwebebahn mit einer Geschwindigkeit von 450 km/h . Aber inzwischen wurde diese zukunftsträchtige Technik in Deutschland aufgegeben und China und Japan sind heutzutage die führenden Nationen.

Im April 2005 bewies Japan seine Kompetenz als eine Shinkansen-Schwebebahn der Baureihe L0 während einer Testfahrt die Geschwindigkeit von 603 km/h erreichte. Dies ist bis heute die höchste Geschwindigkeit, die jemals ein bemanntes Gefährt auf einer Schiene erreicht hat.

Die L-Serie soll ab 2027 für den regulären Personenverkehr auf der Strecke Tokio-Osaka eingesetzt werden. Die Trasse dafür ist bereits in Bau und wird voraussichtlich knapp 50 Milliarden Euro verschlingen, ein Grund dafür sind die vielen Tunnel. Die Geschwindigkeit der Züge soll dann bei 503 km/h liegen, wodurch die Reisezeit zwischen den Metropolen Tokio und Osaka konkurrenzlos verkürzt wird.

Die Bahnen der L0-Serie fahren autonom, im Notfall werden sie ferngesteuert von der Leitzentrale. Es existiert daher kein Cockpit mit einem Fahrer. Die extrem lange Nase soll für eine bessere Aerodynamik und eine niedrige Geräuschkulisse dienen.

1. Das schnellste Schienenfahrzeug aller Zeiten

Typ/Namefour-stage sled train
LandUSA
Rekord10.620 km/h im September 2019
Kategorieschnellster Raketenschlitten
BesonderheitAbsoluter Rekord für ein Schienenfahrzeug

Die absolute Rekordgeschwindigkeit für ein Schienenfahrzeug wurde im September 2019 auf der Holloman Air Force Base in den USA erzielt. Bei dem Gefährt handelte es sich um einen umbenannten „Raketenzug“ – eine 4-stufige Rakete an die ein paar Kufen angeschweißt wurden. Dieses Konstrukt wurde dann auf die 16 Kilometer langen Schienen der Raketenschlittenbahn der Holloman Air Force Base gesetzt.

Der Raketenschlitten erreichte dabei 10.620 km/h, was 8,6-facher Schallgeschwindigkeit entspricht und die Höchstgeschwindigkeit des schnellsten Magnetschwebebahn auf Platz 2 dieser Liste um das 15-fache übertrifft.

Mit solchen Experimenten testet das US-Militär neue Raketen. Die Test auf der Schiene sind um ein Vielfaches günstiger als echte Raketentest, sind aber praxisnäher als reine Computersimulationen.

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