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Die Top-Liste der bekanntesten weiblichen Hochstaplerinnen aller Zeiten

Die bekanntestes Hochstaplerinnen und weiblichen Finanz-Betrügerinnen setzten wie ihre männlichen Pendants auf die Gier und die Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen.

Sie errichten eine schillernde Fassade des Erfolgs und des Reichtums für die Öffentlichkeit (und auch kannst ein Stück davon haben), die in Wirklichkeit gar nicht existiert, in der Absicht andere Leute um ihr Geld zu bringen

Allerdings ist es tatsächlich so, dass Frauen seltener als Finanzbetrüger und Hochstaplerinnen in großen Stil in die Schlagzeilen kommen. Das liegt nicht daran, dass Frauen von Natur aus ehrlicher sind. Es ist aber durchaus anspruchsvoll eine groß angelegte Betrugsmasche aufzubauen. Überzeugungsvermögen, Fantasie, Rhetorisches Talent, Skrupellosigkeit und kaltes Blut sind hier gefragt.

Einige Frauen werden aber dennoch als Hochstaplerinnen international bekannt und kamen für ihre Taten ins Gefängnis.

6. Anna Sorokin alias Anna Delvey

Der finanzielle Schaden, den die junge Deutsch-Russin anrichtete ist eher gering. Weltweit bekannt wurde sie weil ein bekannter Streaming-Anbieter ihre Hochstapler-Karriere verfilmte

NameAnna Sorokin
AliasAnna Delvey
NationalitätDeutsch, Russisch
TatortNew York, Kunst-Szene
MascheVorspielen einer Millionen-Erbin
Schadenetwa 275.000 $
Strafe20 Monate Gefängniss und Geldstrafe

Vorgeschichte

Die Familie Sorokin zog aus Russland nahe Moskau nach Eschweiler in NRW als die Tochter Anna 16 Jahre alt war.

Schon als Schülerin der Bischöfliche Liebfrauenschule, einer Mädchenschule zeigte sie Interesse an Mode und fiel durch ihre extravagante Kleidung auf. Durch ein Praktikum für eine französische Modezeitschrift nach dem Abitur kam sie im Sommer 2013 von Paris nach New York. Spontan beschloss sie in New York zu bleiben, dass ihr besser gefiel als Paris. Sie kündigte bei der Zeitschrift und beschloss in der New Yorker Kunstszene gross herauszukommen, denn sie hatte zuvor einige Leute aus diesem Milieu kennengelernt, die sie interessant fand.

Die ADF – Anna Delvey Foundation

Kurzerhand gründete sie eine Stiftung namens Anna Delvey Foundation (Sie nannte sich in New York nicht mehr mit ihren eigentlichen Namen Anna Sorokin, sondern Anna Delvey – wahlweise eine Diplomatentochter oder eine wohlhabende Erbin.

Ihr erstes Projekt sollte ein Zentrum für visuelles Kunst sein. Dort würden Kunstaustellungen und Versammlungen stattfinden, es sollte aber auch kleine Läden geben, die Zubehör und Kunstwerke verkauften. Dafür wollte sie das Church Missions House, ein sechsstöckiges historisches Gebäude an der Park Avenue in Manhattan kaufen oder mieten und es dann umbauen.

Die kontaktfreudige Anna führte mit Grössen aus der Kunst-Szene diverse Gespräche deswegen, aber die Gespräche blieben unverbindlich, also beschloss sie sich die benötigten Millionen bei Banken und Stiftungen zu holen. Als Sicherheit gab sie an als reiche Erbin über ein 60 Millionen $ Fonds in der Schweiz zu verfügen, an den sie aber aus Gründen nicht herankam. Ein Dokument, dass dies beweisen soll, schrieb sie selbst mit Microsoft Word. Mit solchen und ähnlichen Tricks wie Scheckbetrug gelang es ihr rund 170.000 $ von Banken zu erhalten. Da das aber sowieso viel zu gering war für ihre ambitionierten Pläne, investierte sie es lieber in Partys, Klamotten, luxuriöse Hotelaufenthalte und Reisen. Das Hochstapler-Leben ging einige Jahre gut. Dann häuften sich die geplatzten Rechnungen bei Hotels und Reiseanbietern. Bekannte, die ihr im Glauben sie sei tatsächlich reiche Millionenerbin und auf Investorensuche für das Kunstprojekt, größere Summen geliehen hatten, forderten energischer ihr Geld zurück.

Verhaftung und Anklage

Am 3. Oktober 2017 schlug die Staatsanwaltschaft zu und die Polizei verhaftete Anna in den Passages Malibu, einer teuren Suchtklinik in Kalifornien. Im Mai 2019 schließlich sprach ein New Yorker Gericht das (vergleichsweise harte) Urteil: 4 bis 12 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 24.000$ wegen Schweren Diebstahl und dem Erschleichen von Dienstleitungen. Als Insasse Nr. 19G0366 wanderte sie ins Frauengefängnis, ist seit Frühjahr 2022 aber wieder auf freien Fuß. Seither versucht sie der drohenden Abschiebung nach Deutschland zu entgehen, spielt in diversen TV-Serien mit, schreibt ein Buch über ihr Leben, organisiert Kunstaustellungen.

5. Elizabeth Bigley alias Cassie Chadwick

Sie gab sich erfolgreich als illegitime Tochter des stinkreichen Stahlbarons Andrew Carnegie aus.

NameElizabeth Bigley
AliasCassie Chadwick
Geburtsort1857 in Kanada
TatortCleveland (Ohio) und Boston
MascheGab sich als reiche Erbin aus
Schaden10 bis 20 Millionen Dollar $ (nach heutigen Kaufwert wäre das 10-20 fache

Vorgeschichte

Die kleine Elizabeth galt als sehr phantasiereiches Mädchen, dass viel tagträumte. Aber sie begann auch früh mit kriminellen und zwielichtigen Taten: Mit 14 versuchte sie mit einem gefälschten Brief eines angeblichen Onkels ein Bankkonto zu eröffnen. Sie kaufte Waren ein mit ungedeckten Schecks.

Mit 20 zog sie nach Cleveland, die wichtigste Stadt der Region. Sie versuchte sich als Wahrsagerin und eröffnete ein Bordell. Schließlich heiratete sie Dr. Chadwick, einen älteren, offenbar etwas schusseligen wohlhabenden Witwer. Sie selbst gab sich als Mrs. Cassie Hoover aus und das Bordell sei eine Privatpension für alleinstehende Damen.

Sie zog mit ihren frischen anvertrauten Ehemann in sein respektables Haus in einer guten Gegend der aufblühenden Stadt Clevelands. Allerdings stellte Cassie bald fest, dass ihre Nachbarn, die Oberschicht Clevelands, ein wesentlich luxuriöseres Leben führte.

Cassie Chadwick als bekannte Hochstaplerin

Auf eine äußert geschickte Art ließ sie durchsickern, dass sie in Wahrheit eine uneheliche Tochter des Stahlmagnaten Andrew Carnegie, einer der reichsten Männern Amerikas, war. Sie würde von ihm heimlich finanziell unterstützt und hätte ein Erbe in der Höhe von 400 Millionen $ zu erwarten.

Sie erzählte das den Leuten nicht direkt, sondern tat im Gegenteil so als würde sie es geheim halten wollen. Stattdessen platzierte sie zum Beispiel ein selbst gefälschte Dokument, dass andeutete, dass Andrew Carnegie ihr Vater war und sie immer wieder unter der Hand großzügig unterstützte. Der Finder des Schriftstücks war dann der Meinung, er habe es zufällig gefunden und sei ihren Geheimnis auf die Spur gekommen.

Das Gerüchte verbreitete sich schnell in Cleveland und erreichte auch die lokalen Banken. Diese witterten ein fettes Geschäft und drängten sich dann Cassie gerade zu auf und gaben ihr hohe Kredite. Denn sie gingen fest davon aus, dass sie das Geld zurückbekamen mitsamt der überhöhten Zinsen. Das Spiel ging ganze 8 Jahre gut, die Banken gaben ihr Kredit in Höhen von rund 20 Millionen $ (nach heutigen Kaufwert einige hunderte Millionen) und Cassie lebte ein Leben in Saus und Braus mit 30 Kleiderschränken. Sie galt als die Königin von Ohio.

Erst ein Banker aus Boston, der ihr auch zunächst bereitwillig Geld lieht, entlarvte sie. Cassie wurde festgenommen und es kam zum von vielen Zeitungen und Radiosendern verfolgten Gerichtsverfahren.

Die Strafe

Cassie wurde zu einer Strafe von 14 Jahren verurteilt. Die Strafe war auch deswegen so hoch, weil einer der Banken infolge des Betrugs pleite ging. Da es auch noch eine staatliche Bank war, galt ihre Hochstapelei als „Verschwörung gegen die Regierung“. Cassie Chadwick starb im Alter von 50 im Gefängnis.

4. Adele Spitzeder

Die Kunden bekamen für ihr eingezahlten Geld bei der „Spitzederschen Privatbank“ 10% Zinsen im Monat ausgezahlt (also 120% im Jahr). Das sorgte für einen enormen Ansturm

NameAdele Spitzeder
Geburtsort1832 in Berlin
TatortSpitzedersche Privatbank in München
MascheKunden bekamen sehr hohe Renditen für angelegtes Geld
Schaden 38 Millionen Gulden (nach heutigem Kaufwert rund 500 Millionen €)
Strafe3 Jahre Zuchthaus

Adele Spitzeder war im Deutschen Kaiserreich eine durchaus erfolgreiche Schauspielerin mit Auftritten von Altona bis München. Doch reichten ihre Gagen bei weiten nicht um ihren Lebensstil zu finanzieren: Sie wohnte ausschließlich Hotels, und speiste in Lokalen. Dazu kammen die Kosten für Angestellte und diverse junge Gefährtinnen.

Die Privatbank

Eine Bekannte aus München lieh ihr 100 Gulden und Adele versprach ihre jeden Monat 10 Gulden Zinsen dafür zu zahlen. Was sie auch tat. Es sprach sich herum und immer mehr Münchner wollten ihre gerne Geld leihen zu diesen sagenhaften Konditionen.

Der Geldsegen nahm innerhalb kurzer Zeit solche Ausmaße an, dass Adele sich 1871 für 54.000 Gulden ein Haus in bester Lage in München kaufte und es prächtig zur Spitzederschen Privatbank ausbaute. Jetzt kannten die Anleger kein Halten mehr, aber das Geschäftsmodell blieb das Gleiche: Mit den immer neu hereinströmenden Geld konnte man locker die 10% monatliche Zinsen für die bestehenden Anleger zahlen – ein simples Pyramidensystem.

Ein Teil des Geld, neben den Ausgaben für ihren luxuriösen Lebensstil und die Gehälter der knapp 100 Bank-Angestellten und Kredit-Vermittler, die sich auch zusätzlich an den Geldsäcken bedienten, die sich in der Bank stapelten, gab die gewiefte Adele für Public Relations aus: Sie gab eine eigene Zeitung heraus und bezahlte die Journalisten anderer Zeitungen, dass sie wohlwollend über ihre Privatbank schrieben. Sie spendete auch viel Geld für die Armen.

Der Absturz der Hochstaplerin

Bald beschwerten sich die anderen Münchner Banken, denn wer legte noch zu Mickerzinsen sein Geld an, wenn sie bei der Spitzederschen Privatbank 120% Rendite im Jahr bekamen? Es kam zu immer stärkeren Druck seitens der Regierung und der Konkurrenz, erste Zeitungen berichteten kritisch. Irgendwann liess der Strom der Neuanleger nach und das Schneeballsystem platzte. Am 12. November 1872 wurde Adele Spitzeder wegen Betrugs verhaftet. Etwas Geld konnte die Polizei noch sicherstellen und damit einen kleinen Teil der Forderungen bezahlen, aber insgesamt schätzt man den Schaden nach heutigen Wert auf rund 500.000€.

Dennoch kam die bis dato größte Finanzbetrügerin Deutschlands und die erste Frau der Welt, die ein Schneeballsystem groß und im professionellen Stil aufzog mit 3 Jahre Zuchthaus recht glimpflich davon. Der Richter berücksichtigte in seinem Urteilspruch, dass es Im damaligen Deutschen Reich schlicht kein Kreditwesengesetz und keine Finanzaufsicht gab. Zudem hatte Adele ihren Anlegern nie versprochen, dass das Geld sicher sei.

Nach dem Gefängnis arbeitete sie wieder – nicht unerfolgreich – als Schauspielerin und Volkssängerin.

3. Damara Bertges

Sie hatte angeblich eine Methode entwickelt wie auch Kleinanleger an die Geldtöpfe kommen, die nur normalerweise nur Gross-Investoren vorbehalten sind: Ihr EKC versprach (und zahlte) Renditen von 70%.

NameDamara Bertges
GeburtsortHessen
TatortEuropean Kings Club in Gelnhausen (Hessen)
Maschehohe Renditen für Schuldscheine
Schaden etwa 1,6 Millarden DM (nach heutiger Kaufkraft rund 1,5 Milliarden €)

Vorgeschichte

Die gelernte Hotelfachfrau Damara Bertges hatte ein skurriles Hobby. Anfang der 90er, noch vor dem Internet-Zeitalter gab es in den Banken reichlich Prospekte mit Anlagemöglichkeiten, die sie gerne studierte. Ihr fiel auf, dass für Investoren, die eine riesige Summe mit einem Schlag investieren konnten, viel höhere Renditen versprochen wurden, als für den Kleinanleger mit seinem Sparbuch.

Damara Bertges als grösste Finanzbetrügerin Deutschlands?

Der EKC (European Kings Club) ins Leben gerufen von Damara und dem „charismatischen“ Arzt Hans Günther Spachtholz stiess besonders in den ländlichen Regionen in der Schweiz, in Österreich und in Süddeutschland auf hohe Resonanz.

Die Botschaft, die auf Treffen mit Damara als Rednerin in Gemeindesälen und Sportvereinen, verbreitet wurde: Die Banken betrügen die Kleinanleger, denn die Banken selbst erzielen Rendite von 100%, aber geben nur einen Bruchteil davon an die kleinen Sparer weiter. Der EKC wollte daher möglichst viel Geld von „kleinen Leuten“ sammeln, sodass insgesamt eine riesige Summe zusammenkam. Je mehr desto besser. Dank dieser Milliardensumme würde der EKC dann nicht wie der Kleinsparer mit Brotkrumen abgespeist, sondern würde von den internationalen Akteuren auf dem Finanzmarkt als Partner auf Augenhöhe behandelt. So wären Renditen von 70% möglich.

So gab der EKC für 1200 Deutsche Mark (+ 200 DM Provision für den Vermittler) sogenannte Blue Letter aus: Jeden Monat gab es für den Inhaber des Letters eine Zinsgutschrift von 200 DM und das für ein ganzes Jahr. Das bedeutet bereits nach 7 Monaten hatte der Anleger sein Geld wieder drin, alles war danach kam war purer Gewinn.

Da sie von willigen Letter-Käufern geradezu die Bude eingerannt kamen und das Geld sich im wahrsten Sinne des Wortes in ihrer Zentrale in Hessen stapelte, konnten sie zunächst problemlos die Gutschriften von 200 DM jeden Monat an die Letter-Inhaber auszahlen. Dies überzeugte dann auch zunächst skeptische Leute, die sahen wie ihre Nachbarn reich wurden, sich auch mit Lettern einzudecken. Viele setzte ihr gesamtes Vermögen aufs Spiel und nahmen sogar Kredite auf, um noch mehr Letter zu kaufen

Der Niedergang des EKC und das Gerichtsurteil

1994, nach rund 3 Jahren „Erfolgsgeschichte“ schritt die Börsenaufsucht in der Schweiz ein und verbot den Kauf der „Blue Letter“, auch die Justiz wurde aktiv und die Polizei verhaftete Damara Bertges und ihre Kompagnons sowie lokale Vertriebsleiter der Organisation.

Besonders in der Schweiz kam es daraufhin zu heftigen Portesten, aber nicht etwa gegen Dagmar und ihren EKC, sondern gegen die Behörden. Diese würden im Zusammenarbeit mit den Banken ihnen diese lukrative Verdienstmöglichkeit (die ja bis dahin auch bestens funktioniert hatte) wegnehmen.

1997 wurde Frau Bertges in Frankfurt zu 8 Jahren Haft verurteilt. Ein Grund für die hohe Strafe: Sie verweigerte die Zusammenarbeit mit der Justiz.

2. Elizabeth Holmes

Sie täuschte vor ein geniale Erfindung gemacht zu haben: Ein kleines handygrosse Gerät, indem man einen Tropfen seines Blutes einflößt. Es analysiert dann das Blut auf eine von 240 möglichen Krankheiten und Mangelerscheinungen und zeigt dies sogleich an.

NameElizabeth Holmes
Geburtsort1984 in Washington, DC
TatortTheranos mit Sitz in Palo Alto (Kalifornien)
Mascherevolutionäre medizinische Entwicklung
Schaden> 700 Millionen $

Vorgeschichte

Elisabeth war eine intelligente, streberhafte und ehrgeizige Schülerin und Studentin, die schon in frühen Jahren Programmieren und Chinesisch auf hohem Niveau lernte. Ihr Vorbild als Jugendliche war Steve Jobs und sie wollte wie er eine bahnbrechende Neuerung erschaffen und vermarkten. Sie entstammte einer der reichsten Familie Amerikas, der Hefedynastie Fleischmann. Allerdings gab es einen „sozialen Abstieg“ und ihr Vater, obwohl er diverse Führungspositionen in Regierungsorganisationen inne hatte, konnte diesen Niveau nicht mehr halten. Dennoch konnte Elisabeth nach einer teuren Highschool die Standford School Of Enginering mit hohen Studiengebühren besuchen. Doch sie brach ihr Studium ab, nachdem sie 2003 ihr erstes Patent eingereicht hatte und kurz darauf ihr Unternehmen Theranos (ein Kunstwort aus Therapie und Diagnose) gegründet hatte.

Eine Erfindung, die nie richtig funktionierte

Das grosse Innivation von Theranos war eine kleine Gerät, dass Blut mit einem neuartigen Verfahren auf eine Vielzahl von Krankheiten durchsollen sollte. Es sollte nur eine eine winzigen Blutstropfen benötigen, den sich jedermann selbt mit einem Art Stift abnehmen konnte. Generell sollte das Gerät einfach in der Anwendung sein, jeder konnte sich zuhause selbst auf Krankheiten testen. Das stand im Gegensatz zu den bereits existierenden Geräten von Siemens, diese benötigten grosse Mengen Blut, was von Ärtzten oder im Krankenhaus entnommen wurden. Die waschmaschinengrossen Maschinen konnten auch nur von Fachpersonal bedient werden.

Was sich zu schön anhört um wahr zu sein, ist es auch nicht. Das kleine Blutanalyse-Gerät für den Hausgebrauch funktionierte nie auch nur ansatzweise, es konnte nur eine einzige Krankheit erkennen und die auch nur unzuverlässig. Und die Ingenieure von Theranos machten keine Fortschritte, denn ein solches Gerät wie Elisabeth es vorschwebte ist schlicht nicht möglich. Dennoch warb Elisabeth voller Überzeugung Investorengelder für ihre Firma ein. Zugute kam ihr, dass es ihr gelang hochkarätige Persönlichkeiten wie bekannte Politiker und Wissenschaftler für den Aufsichtsrat zu gewinnen. Als begnadete Hochstaplerin gelang es Frau Holmes sie in der Gewissheit zu halten, dass es zwar Probleme gab, aber sie kurz vor einer Lösung standen.

Viel Geld fliesst

Richtig ins Licht der Öffentlichkeit kam Theranos, als sie eine Kooperation mit einer wichtigen amerikanischen Drogerie-Kette verkündeten. Weitere hunderte Millionen Investorengelder flossen, Theraons wurde mit 9 Milliarden $ bewertet. Frau Holmes persönliches Vermögen (das zum Großteil aus Anteilen von Theranos bestand) wurde 2015 auf 4,5 Milliarden $ geschätzt. Sie galt als die jüngste Selfmade-Milliardärin der USA. Ihr Gesicht schmückte die Titelbilder von Fortune, Forbes und der New York Times. Wie sie sich als Kind erträumt hatte, galt sie als der weibliche Steve Jobs. Doch der Höhenflug währte nur kurz.

Der Absturz

Ein Journalist des Wall Street Journals witterte Lunte und ließ sich auch von Holmes Image als Lichtgestalt und weibliches Rollenmodell nicht von Recherchen abschrecken. Einige der zu diesem Zeitpunkt über 800 Mitarbeiter vertraute sich ihm an und berichteten über Unregelmäßigkeiten. Der Stein kam ins Rollen. Eine Behörde verhängte 2016 ein zweijähriges Verbot für Theranos Blut zu testen. Mit öffentlichen Auftritten und teuren Anwälten versuchte Theranos sich noch gegen den Niedergang vorzugehen. Doch schon Anfang 2018 reichte die Staatsanwaltschaft Klage ein wegen Betrugs. Nachdem sich der Prozess wegen Corona und der Schwangerschaft von Frau Holmes verzögert hatte, stand sie im Sommer 2021 vor Gericht – als einer der größten Finanzbetrügerinnen der USA. Das genaue Strafmaß soll im Oktober 2022 verkündet werden – hoffentlich nicht so hoch.

1. Dr. Ruja Ignatova alias CryptoQueen

Reich werden mit der Krypto-Währung OneCoin, das versprach sie den Anlegern. Stattdessen verschwand sie mit den Milliarden

Name Ruja Ignatova
Geburtsort1980 in Russe (Bulgarien)
TatortOneCoin Ltd mit Sitz in Dubai
MascheVerkauf von überteuerten Online-Kursen
Schaden>4 Milliarden $
Strafeflüchtig

Vorgeschichte

Ihre Familie zog von Bulgarien ins den beschaulichen Schwarzwald als Ruja 10 war. Trotz des Migrationshintergrundes war sie so herausragend, dass sie auf dem Gymnasium eine Klasse übersprang und dank ihres erstklassigen Abiturs erhielt sie ein Stipendium für das Jura-Studium, was sie 2005 mit der Promotion abschloss und sich seither Dr. nennen darf. Dennoch schien Ruja nie richtig den Einstieg in das Berufsleben zu schaffen, sondern fiel im Gegenteil durch zwielichtige Aktivitäten auf: So wurde sie 2016 zu einer Bewährungstrafe verurteilt. Zusammen mit ihren Vater, hatte sie ein Gusswerk, das sie zuvor billig erworben hatte, vor dem Weiterverkauf ausgeschlachtet.

2013 spielte sie eine wichtige Rolle bei einem dubiosen, ursprünglich in Hong Kong entwickelten Vertriebssystem, bei dem die Anleger Online-Kurse für teureres Geld kaufen sollten und dadurch Punkte erhielten. Die Punkte sollte man dann in BigCoins tauschen können. Der BigCoin, so wurde es von der Organisation dargestellt, war der BitCoin-Killer und versprach daher enorme Gewinne. Wie Ruja erkannte, gab es aber noch einige Feinheiten zu verbessern, um ein solches System zu einem wirklichenErfolg zu machen

Der grosse Finanzbetrug mit dem OneCoin

2014 startete sie dann mit der Gründung der OneCoin Ltd mit Sitz in Dubai durch.

Das Geld machte die Organisation durch den Verkauf von Online-Kursen zum Thema Geldanlage. Dabei handelte es sich um PDFs, deren Inhalt man aus Google kopiert hatte, die Herstellungskosten und der Nutzwert dieser „Bildungspakete“ waren also praktisch Null. Dennoch zahlten die Käufer Summen von bis zu 118.000€ für diese mit trivialen Inhalt gefüllten PDFs. Das lag zum einem an dem Vertriebssystem. Der Käufer eines Bildungspaketes bekam eine Provision von 10% des Verkaufspreises, wenn er weitere Interessenten zum Kauf überzeugte.

Entscheidend waren aber die Token, die jedem Online-Kurs beilagen. Je mehr der Kurs kostet, desto mehr Token enthält er. Diese Token konnte man dann in naher Zukunft (oder in begrenzten Umfang auch schon sofort) in OneCoins tauschen. Und der OneCoin würde in naher Zukunft die beherrschende Krypto-Währung sein, versicherte Ruja Ignatova ihren Anhängern in großen Reden in vollen Arenen und anderen erstklassigen Veranstaltungsräumen. Um die riesigen Gewinne nicht zu verpassen, kauften die OneCoin-Gläubigen die nutzlosen Online-Kurse als ob es kein Morgen gebe. So wurden nach Schätzungen des FBI über 4 Milliarden $ in die Kassen von Ruija und ihrer Spießgesellen gespült.

Gesucht von FBI, BKA und Europol

Es kam wie es kommen musste, nachdem die ersten Behörden auf den OneCoin aufmerksam wurden und vor den Aktivitäten der Organisation warnte, verschwand Ruja eines Tages auf Nimmerwiedersehen. Die letzte belegbare Spur: Am 25. Oktober 2017 flog sie von Sofia nach Athen.

Die Anleger blieben auf ihren für tausende oder hunderttausende von Euro oder Dollar gekauften Token sitzen.

Inzwischen hat es die größte Finanzbetrügerin aller Zeiten sogar in die Top 10 der meistgesuchten Verbrecher geschafft:

https://www.fbi.gov/wanted/topten/ruja-ignatova/@@download.pdf

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